Samstag, 7. November 2009

Besuch im chinesischen Krankenhaus

Hier in Nanjing gibt es leider kein internationales Krankenhaus, so dass sich uns die Frage stellt, ob ich extra zur Entbindung nach Shanghai fahren oder hier in eine chinesisches Krankenhaus gehen soll. Nun soll Mitte November eine englischsprechende taiwanesische Ärztin ins BenQ Krankenhaus, einem taiwanesischen Krankenhaus in Nanjing, kommen. Sie war Anfang des Jahres schon einmal in Nanjing und ich habe ein paar junge Mütter getroffen, die bei ihr entbunden haben und sehr zufrieden waren. Somit wollte ich mir am Mittwoch mal das Krankenhaus aus der Nähe anschauen.

Erst bin ich zum Geburtsvorbereitungskurs gegangen, anschliessend zur Vorsorgeuntersuchung. Im Geburtsvorbereitungskurs durften wir erst einen Film schauen, wie man stillt und wie man das Kind badet. Der Badeteil war sehr von der Marke Johnson Baby gesponsort, wir konnten uns anschauen, mit wieviel hundert Cremes, Ölen und Puder man das Kind einreiben kann. Ich glaube das brauche ich nicht alles. Auch hat man sehr schön gesehen, dass die Chinesen keinen Wickeltisch benutzen, sondern ausziehen und Kind eincremen alles auf dem Elternbett passiert. Das heisst, dass die junge Mutter die ganze Zeit mit schönem krummen Rücken dasteht. Naja, sie wird ja nur dieses eine Kind wickeln müssen... Dann ging der Kurs los. Ausser mir waren noch 2 Frauen da, war ja mitten am Tag, da müssen die ja normalerweise alle arbeiten. In 20 Minuten hat die Krankenschwester ein Kapitel aus einem dicken Buch vorgetragen, keine Ahnung worum es ging. Ich glaube zu dem Kurs muss ich nicht nochmal! Danach war Fragestunde, das war viel interessanter, denn da habe ich ja einiges verstanden, z.B. dass es der einen immer rechts unten am Bauch weh tut, das kann ich ja verstehen weil sie dann weh tut sagt und auf den Bauch zeigt, das kapier selbst ich! So sind sie dann ihre ganzen Zipperlein durchgegangen. Die andere hatte aber die beste Anmerkung. Sie ist ungefähr so weit wie ich und meinte, sie könne nicht mehr so gut essen. Und zwar nicht, weil das Kind auf den Magen drückt oder so, nein, weil sie sich mit dem dicken Bauch nicht mehr bis auf die Tischplatte runterbeugen kann!! Na wie soll sie als Chinesin denn dann essen! Das seht ihr ja wohl auch ein, dass das ein Problem ist, oder? Gegen Ende der Stunde kam die Freundin der einen dazu. Als die Stunde zu Ende war, musste die Freundin erstmal meinen Bauch anschauen und natürlich auch anfassen und konnte dann beruhigt gehen. Dann kam die Krankenschwester und die andere Schwangere zu mir und wollten erstmal alles wissen. Was ich hier mache, wie lange ich schon da bin, warum ich in dem Krankenhaus entbinden will etc etc etc. Ich hab mich gar nicht so schlecht geschlagen fand ich.

Dann bin ich los, ich wollte ja noch zur Ärztin dort, zur normalen Vorsorge. Ich habe meinen Freund Jason angerufen (der meine Eltern und mich im September rumgeführt hat und gut englisch spricht) und der hat mich angemeldet und mir einen Termin bei der Ärztin organisiert. Also man bekommt eine Nummer, wenn die aufgerufen wird, ist man dran. Das kostet 7 RMB. Ich musste nicht lang warten und durfte ins Besprechungszimmer. Die Ärztin konnte ein bisschen Englisch und hat erstmal meine ganzen Daten aufgenommen (ich hatte meine Unterlagen von den anderen Untersuchungen dabei). Dann hat sie entschieden, was wir alles machen müssen. Das wird alles im Computer ausgewählt und angeklickt und dann ausgedruckt mit Barcode und so. Damit hat mich die Schwester wieder zur Kasse gebracht, denn nun wusste ich ja, was gemacht wird und kann also bezahlen. 173 RMB musste ich bezahlen. Dann gings von Station zu Station, ich musste nirgends gross warten: Erst wieder zur Ärztin, Untersuchung mit Abstrich. Dann den Abstrich selber zur Labortheke bringen. Dann Pinkeln, Urinprobe auch zur Labortheke bringen. Da wurde mir gesagt, wann was fertig ist. Das längste dauert eine Woche, also hab ich gesagt ich hole alles zusammen nach einer Woche ab. Dann zum EKG (warum auch immer). Dann zur „normalen“ Schwangerschaftsstation, also Blutdruck, Herztöne des Kindes und Vermessen des Bauches und Wiegen. Dann wieder zur Ärztin. Die hatte zwischenzeitlich schon zig andere Patientinnen behandelt und irgendeinen Befund von mir auf ihrem Bildschirm, sehr schnell, aber keine Ahnung was das war. Ich habe noch einen Ausdruck mitbekommen und dann durfte ich gehen. Ich hatte das Gefühl, die wussten alle was sie machen und bei fast allen Stationen konnten die Mädels ein bisschen Englisch und waren super nett. Nur habe ich nicht kapiert, warum die ganzen Untersuchungen gemacht wurden, aber wir wollen mal nicht so kleinlich sein, ich hab brav alles mitgemacht. Nun weiss ich nur nicht, was meine Krankenversicherung zu meinen chinesischen Rechnungen sagt! Aber da muss sie durch.

Als ich nach Hause kam, war Berti schon da, er lag mit Fieber krank im Bett. Ich hab ihm eine Suppe gekocht und ihn inhalieren lassen und nun ist er mit Paracetamol gedopt im Bett. Er ist ins Gästezimmer ausgezogen, damit er mich nicht ansteckt. Dabei bin ich ja NIE krank!

Am Donnerstag früh musste ich dann nochmal nüchtern ins Krankenhaus zum Blutabnehmen. 6 Ampullen!!!! Es ging wieder super schnell: An der Kasse anstellen, bezahlen (man hat so einen Computerausdruck mit Barcode, d.h. die wissen genau was und ich muss gar nichts erklären), dann zum Labor, da sitzen 3 Krankenschwestern oder was auch immer an einer Theke, also Nummer ziehen, ich war gleich dran und schon gings los mit dem Blutabnehmen. In einer Woche gibts die Ergebnisse. Das Mädel konnte auch gar nicht schlecht englisch. Sehr gut!

Nachdem Berti nun 3 Tage im Bett im Gästezimmer verbracht hat, konnte er sich heute wahrhaftig durchringen, seinen Schlafanzug gegen normale Klamotten zu tauschen. Zum Glück hat er kein Fieber mehr, nur noch Husten und Schnupfen. Wir haben schon eine erste Genesungsrunde um unseren See gedreht, das reicht aber auch für heute!

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen