Montag, 25. Mai 2009

Blind Date Market

Gestern fand ein sogenannter Blind Date Market in unserem Park statt. Normalerweise sind diese Hochzeitsmaerkt immer relativ weit ausserhalb, daher konnten wir uns diesen nicht entgehen lassen. Unsere Chinesischlehrerin wird auf diesen Maerkten immer fleissig vermarktet (meist von ihrer Mutter), und von ihr hatten wir auch den Tipp bekommen. Wir waren ehrlich beeindruckt von der Groesse des ganzen! Entlang eines Teils der Hauptstrasse durch unseren Park und entlang der Seitenwege (fuer diejenigen, die sich auskennen: Um den Pavillion herum, wo normalerweise 3 Karaokegruppen singen) hing alles voller „Ich biete/ich suche“-Schilder. Wahnsinn. Die Schilder der Frauen in rosa, die der Maenner in blau, damit man sich leichter zurecht findet. Natuerlich auf jedem zwei Herzchen. Zur leichteren Orientierung waren die Schilder nach Geburtsjahrgaengen sortiert, die juengsten, die wir gesehen haben, waren von 21 jaehrigen Maedels! Die armen, wenn die da schon auf so einen Blind Date Market geschickt werden, wann sollen sie denn Zeit haben, auf normalem Wege einen Mann zu finden. In der Oberschule?! Aufwaerts ging es bis Jahrgang 1950! Also fuer jeden was dabei.

Das ganze funktioniert dann so: Man haengt seinen eigenen Zettel aus oder laesst dies von seiner Mutter tun. Zettel ist auch nicht der richtige Ausdruck, denn das war schon besser organisiert, es waren richtige Schildchen auf Pappe gedruckt, die auch alle gleich aussahen. Darauf gibt man an, wie gross man ist und was man verdient (!!). Was man sonst noch angibt, konnten wir leider nicht lesen, aber der Text unter „ich suche“ war deutlich laenger als unter „ich biete“. Das erste, was sich dann unter „ich suche“ findet, ist das gewuenschte Geburtstjahr des Parnters (also beispielsweise fuer mich wuerde ich 71-75 hinschreiben, denn der Mann muss selbstverstaendlich mindestens 2 Jahre aelter sein als ich) und die gewuenschte Groesse des Partners. Meist bitte mind. 10 cm groesser als man selbst. Bei den Maennern sind die Kriterien natuerlich umgekehrt. Da steht dann noch mehr, das konnten wir nun wiederum nicht lesen. Die Suchenden schauen sich dann die Schilder des anderen Geschlechts in den gewuenschten Geburtsjahrgaengen an und schreiben sich bei Interesse die Nummer des Schildes ab. An mehreren Zentralstellen koennen sie dann die entsprechenden Telefonnummern zu den Schildern bekommen. Dafuer muss man auch was bezahlen, wieviel und wofuer genau haben wir noch nicht rausbekommen. Manchmal stehen die entsprechenden Personen auch vor ihren Schildern (meist aber deren Muetter...), und man kann sich gleich mit ihnen unterhalten und Nummern austauschen. Die Muetter haben dann auch oft ein Foto ihres Sproesslings dabei, und so kann man ja schon mal grob abschaetzen, ob das was werden koennte.

Sehr interessant also, vor allem da meist die beiden Muetter die Verabredungen fuer ihre Sproesslinge ausmachen.... Unsere Chinesischlehrerin laesst auch immer ihre Mutter hingehen, weil ihr das selbst zu peinlich ist, dafuer geht sie aber brav zu allen Dates, die ihre Mutter fuer sie organisiert. Bisher ist aber noch nichts draus geworden, falls Ihr also Interesse habt (ein Foto von ihr war ja im letzten Blogpost), bitte bei mir melden, natuerlich mit Angabe von Geburtsjahr und Jahresgehalt, und am besten mal vorbeikommen. Telefonieren geht fuer den Anfang auch...

Nun habe ich noch was vergessen: Als wir uns gestern durchs Gewuehl einer Seitenstrasse kaempften (Berti ein paar Schritte hinter mir), wurde ich doch auch glatt von einem jungen Mann angesprochen, wo ich denn herkaeme und ob ich einen Freund oder Mann suche. Ich im schicken Joggingdress, das hat ihn aber wohl nicht gestoert. Ich habe dann dankend abgelehnt und ihm gezeigt, dass ich bereits einen Mann haette und der waere auch ausreichend fuer mich. Er hat dann noch mein gutes Chinesisch gelobt und mich ziehen lassen, ein Glueck!



Alles voll Angeboten
Die "ich biete / ich suche" Schildchen


Bertis Favorit wäre Jahrgang '86

Doch selbst Jahrgang 88 gibt es - die Mädels sind/werden erst 21!!!


Es werden fleissig Dates ausgemacht

Sonntag, 24. Mai 2009

Drachenbootrennen

Gestern war nun also der grosse Tag des Sheraton-Dragon-Boat Rennens. Da wir auf unserem Balkon quasi in der ersten Reihe sitzen, haben wir das sofort ausgenutzt und das Zuschauen mit einem kleinen Grillfest verbunden. Ausgestattet mit Tröten und Ferngläsern konnte also nichts mehr schief gehen. Mehr gibts eigentlich auch gar nicht zu sagen, es war sehr entspannt und sassen bis nachmittags um 17 Uhr auf dem Balkon bei Bier und Fleisch und Salat. Hier ein paar Eindrücke.

Das Fan-Team

Der Grillmeister beheizt den Grill


Unsere Chinesischlehrerin zeigt, wie man gebratenen Reis kocht

Die interessierten Teilnehmer des Kochkurses

Bem probiert sich am Buffet
Sieht doch gut aus! Aber was macht die polnische Flagge hier?

Meine Kollegin und ich

Das Siemens Team

Wing's oberste Devise: Immer im Schatten bleiben!


Eifrige Beobachter

Ach ja, und hier ein Beispiel der unzähligen Rennen: der Start

Na, nicht alle sind so gut weggekommen


Und schon gibt es deutliche Differenzen

Das komische war eigentlich nur, dass, kaum war das letzte Rennen vorbei, schon wieder 3 Boote am trainieren waren! Heute morgen wussten wir dann auch warum: Es gab heute morgen ein weiteres Rennen, bei dem die Boote auch voller besetzt waren. Doch auch dort hat es mit dem Geradeausfahren nicht immer so gut geklappt... Wir haben uns dann auch mal in den Park begeben, da war aber das Rennen schon gelaufen.

Der Gewinner des heutigen Rennens

Es gab auch was zu gewinnen! Wasserkocher und ...

Bettbezüge!! Toll, da müssen wir nächstes Jahr auch mitmachen!

Eigentlich waren wir ja nur im Park, um uns den Blind Date Market anzuschauen, dazu aber mehr im nächsten Blog.


Donnerstag, 21. Mai 2009

Fahrradausflug auf die Yangtze-Insel

Am Dienstag habe ich mit Matthias einen Ausflug auf die Yangtze-Insel hier bei Nanjing gemacht. Die Insel ist ca. 8 km lang, also ganz schön gross, und erinnert mich doch sehr an meine Insel, auf der ich während des Studiums gewohnt habe: auf der einen Seite fahren die Schiffe, anderen nicht... Allerdings gibt es hier keine Brücke, dafür 3 Fähren, eine am Südende für den Autoverkehr, und zwei weitere (Mitte und Nordende) für Fussgänger und Zweiräder. Nach etwas Rumgesuche haben wir die mittlere Fähre gefunden und sind für 1 RMB (10 Cent...) mit unseren Rädern übergesetzt. Toll! Ach ja, die Bedingungen waren übrigens etwas ungerecht, da Matthias sein neues mindestens 24 Gänge besitzendes Rad dabei hatte während ich mit meinem chinesischen Gogo-Fahrrad (immerhin 3 Gänge) hinterherhecheln musste...



Die Insel wird landschaftlich genutzt, es gibt aber auch einen Ort auf der Insel.




Waschtag...


Wir haben uns erstmal gen Süden gewandt und sind bis zur Südspitze geradelt. Leider war es so diesig, dass wir keine Bilder vom lebhaft befahrenen Yangtze machen konnten.

Zu Mittag gegessen haben wir in dieser Küche, lecker.


Hier waren wir zwar nicht essen, aber kein Gericht über 3 RMB ist auch nicht schlecht...

Ein paar Eindrücke von der Insel:



Anschliessend gings rauf in den Norden zu einer Art Werft.

Da wir hier Fotos machen mussten, haben wir glatt die nächste Fähre verpasst, aber kein Problem, es fährt ja bald die nächste.





Nach mindestens 5 Stunden auf dem Rad war ich kaputt wieder daheim, bin aber trotzdem abends noch ins Chinesisch geradelt!

Montag, 18. Mai 2009

Es gibt Mittel und Wege...

... auch so eine Internetzensierung zu umgehen, ich bin fasziniert wie sich andere Leute mit Internet etc. auskennnen. Danke, Matthias! Der hat mir nämlich so ein kleines Programm geschickt, und schwupps kann man die Webseite über einen anonymen Dienst oder so öffnen. Mal sehen wie lange das funktioniert, die Chinesen sind ja auch fix in solchen Sachen.





Also die plausibelste Erklärung für die Sperrung dieser Blogseite (und wahrscheinlich noch etlicher anderer) hat mir Nik geliefert. Wahrscheinlich hängt die Sperrung wirklich mit dem kommendem Jubiläum zusammen. Also nicht mit das Jubiläum 60 Jahre Volksrepublik China, sondern das andere weniger schöne, das vor 20 Jahren auf dem grossen Platz vor der Verbotenen Stadt stattgefunden hat. Dazu soll es ab Donnerstag ein hochinteressantes Buch geben, nämlich die Memoiren des damaligen Ministerpräsidenten, die er aus dem Land geschmuggelt hat. Das Buch ist hier vorsorglich schon mal verboten, ihr könnt ja mal sagen, ob es interessant ist. Dann lese ich es, wenn ich im August in Deutschland bin.





Wie gesagt, der 20. Jahrestag ist Anfang Juni, vielleicht funktioniert danach blogspot ja wieder auf normalem Wege. Oder ich hab jetzt auch zu viel geschrieben...

Freitag, 15. Mai 2009

Blumen und Geschichten

Mit meiner Kollegin ist ja immer was los. Gestern wollte sie extra etwas frueher zum Mittagessen gehen, da ein paar andere Kolleginnen Fotos von den Rosen uns sonstigen Blueten auf unserem Werksgelaende machen wollten, und da wollte sie dabei sein. Und wo sie ist, bin ich natuerlich auch! Also 5 Minuten frueher zum Essen, das war aber ein grosser Fehler, denn die Schlange war lang. Schnell essen und dann die beiden Kolleginnen suchen, denn die hatten doch wahrhaftig schon mit dem Fotografieren begonnen! Ab und zu durften wir auch neben den Blumen aufs Bild. Wie schoen, da lassen sich immer so nette Bildergeschichten erzaehlen...








Donnerstag, 14. Mai 2009

Ueber Frauen und Maenner

Meine liebe Kollegin ist ja seit Januar wieder Single. Nach Meinung ihrer Mutter hatte sie nun genug Schonfrist und sollte jetzt schleunigst ein paar Maenner kennen lernen. Gesagt, getan. Sie hat also eine kleine Selbstdarstellung geschrieben und diese an Kolleginnen und Freundinnen verteilt, damit diese nach ledigen Maennern im Bekanntenkreis Ausschau halten koennen und ihre Selbstdarstellung gegebenenfalls weiterreichen koennen. Ueber das erste Maiwochenende hatte sie nun also ihre ersten beiden Dates mit einem jungen Mann, der bei Ericsson arbeitet - nennen wir ihn daher mal Mr. Ericsson. Leider wohnt er nicht in Nanjing (die Ericsson-Fabrik ist genau gegenueber unseres Siemens-Werks), sondern arbeitet in Beijing und ist derzeit auf Projekt in Kunming im Sueden Chinas. Sie haben letzte Woche fleissig sms geschrieben und letztes Wochenende dann das erste Mal telefoniert. Leider redet Mr. Ericsson am Telefon etwas zu viel fuer ihren Geschmack, anfangs dachte sie ja, das sei die Aufregung, aber beim zweiten Telefonat war das glatt immer noch so! Immerhin bringt er sie zum Lachen, das ist ja auch schon mal was. Zudem hat er vor, noch dieses Jahr nach Nanjing zurueck zu kommen.

Gleichzeitig hat meine Kollegin letztes Wochenende den naechsten jungen Mann getroffen, der an einer Uni in Nanjing arbeitet. Dieser nun sagte ihr nach ca. 10 Minuten, dass er hoffe, noch in diesem Jahr zu heiraten (nur zur Erinnerung, es ist schon Mai...). Sie fand das nun auch etwas schnell und meinte, sie wuerde sich doch gerade erst kennen lernen. Nein, der junge Mann meinte, er wuesste bereits nach 3 Minuten eines Gespraechs, ob eine Beziehung prinzipiell funktionieren wuerde oder nicht. Wie er das macht, hat er leider nicht verraten, aber es wuerde einer Menge junger Frauen und Maennern eine ganze Menge an Verabredungen ersparen.

In meiner naiven Art habe ich nun natuerlich gedacht, es geht jetzt munter weiter mit den Verabredungen und ich kann noch ein wenig mitfiebern. Weit gefehlt, denn heute hat meine Kollegin mir beim Mittagessen verkuendet, dass sie sich fuer Mr. Ericsson entschieden hat. Na ich hoffe, er auch! Er kommt aber erst in ein paar Wochen oder Monaten wieder nach Nanjing. Daher habe ich ihr vorgeschlagen, in der Zwischenzeit doch noch ein paar andere Maenner zu treffen. Ich dachte, man koenne die Zeit ja effizient nutzen. Damit war sie jedoch ueberhaupt nicht einverstanden, denn wenn sie Gefuehle fuer Mr. Ericsson hat, dann reicht das doch. Nun hoffe ich fuer sie und wuensche ihr, dass Mr. Ericsson natuerlich die gleichen Gefuehle fuer sie hat! Ich werde weiter berichten, spaetestens von der Hochzeit...

Mittwoch, 13. Mai 2009

Spanisch-chinesische Hochzeit

Am Sonntag abend war nun die Hochzeit des spanischen Kollegen von Berti mit seiner chinesischen Frau. 18:18 Uhr sollte das Fest starten, und normalerweise sind die Chinesen auch super pünktlich. Die Spanier aber ja bekanntlich nicht...

Wir hatten also bis 17 Uhr ViaNinos Hauptversammlung, waren schon geschminkt (also ich) und haben uns anschliessend nur schnell angezogen und sind ab ins Auto. Zwischen 17 und 18 Uhr ist das mit den Taxen hier ja etwas schwierig, da Schichtwechsel ist, daher sind wir lieber mit dem eigenen Auto gefahren.

Pünktlich um 17:45 Uhr waren wir am Hotel und wurden schon in der Lobby von zwei Brautpaaren begrüßt. Aber unser Brautpaar war nicht zu sehen. Wir fanden dann heraus, dass diese Hochzeit im 3. Stock stattfindet und siehe da, dort standen sie. Leider haben wir kein Foto vom Eingangsbereich samt Hochzeitsbild gemacht. Die Hochzeitsbilder macht man ja schon Wochen, wenn nicht Monate im voraus, denn man braucht eines auf Plakatgrösse am Tag der Hochzeit.

Wir haben brav unseren Hong Bao, unseren roten Umschlag mit Bargeld abgegeben und uns ins Gästebuch eingetragen. Hier sind wir, zusammen mit Nadia aus Ägypten!

Ich natürlich schick im Kleid, Berti ohne Sakko und Kravatte, das braucht man auch nicht. Die Chinesinnen kommen ja auch gern mal in Jeans zu einer Hochzeit...

Mit etwas Verspätung ging es dann los, und animiert von dem Hochzeitsplaner folgte der Bräutigam seinen 3 Trauzeugen in den Saal. Auf der Bühne musste er dann auf chinesisch nach seiner Braut rufen (Frau, ich liebe Dich!), die dann mit ihren Brautjungfern den Saal abschritt. Die Braut wechselt an dem Abend ja 3 mal ihr Kleid, und das innerhalb von knapp 2 Stunden, das muss man erstmal schaffen! Das erste Kleid, das sie zum Gäste empfangen anhatte, habe ich leider nicht fotografiert. Hier aber die restlichen Kleider:

Kleid Nummer 2

Kleid Nummer 3


Kleid Nummer 4

Ich hoffe, die Braut hatte vorher gut gegessen, denn während der Feier hatte sie keine Zeit. Denn wenn sie nicht gerade am Umziehen war, musste sie ja noch schnell mit jedem der 15 Tische einen Trinken. Und 2 Stunden sind ganz schön schnell vorbei!
Wir hingegen haben das leckere Essen genossen, es gab zum Beispiel dies hier:


Und, was ist das?? Na??

Genau, eine Schildkröte! Wir haben sie doch nicht probiert, ich kann also nicht sagen, ob sie besonders lecker war.

Neue Freunde habe ich auch gefunden, zum Beispiel hier, meinen Polizisten. Er war schon ganz schön gut dabei und sagte mir immer, ich sähe aus wie Lady Di. Naja, Alkohol verklärt ja bekanntlich... Ach ja, sich so einen anzutrinken muss man innerhalb der knapp 2 Stunden auch erstmal schaffen. Aber da es kein Bier, sondern nur Wein und Schnaps gab, war das eigentlich auch wieder keine Kunst.

So um 20:30 Uhr waren die Chinesen dann alle weg und wir haben noch ein wenig auf spanische Musik getanzt. Es war aber recht ungemütlich, da überall um uns rum abgeräumt und geputzt wurde. Die After-Party fand im Hotelzimmer des Brautpaares statt, dort werden dann allerhand tolle Spiele mit dem Brautpaar gemacht. Beispielsweise müssen sie unter der Bettdecke ihre Kleider tauschen. Da es aber weder Sitzmöglichkeiten, noch Gläser für weitere Getränke gab sondern nur viel geraucht wurde, haben wir uns auch verabschiedet und uns gefreut, dass wir kurz nach 22 Uhr daheim waren. Der nächste Tag war ja schliesslich ein Montag!

Das war also unsere erste chinesische Hochzeit, ich bin gespannt, wer als nächstes heiratet!