Dienstag, 12. Mai 2009

Viel los am Wochenende!

Mein Wochenende fing schon am Freitag an, denn ich hatte frei! So konnte ich in Ruhe zum Schneider radeln um mein neues Sommerkleid abzuholen, schoen ist es geworden! Anschliessend war ich beim Foreign Language Bookstore um einen Reisefuehrer ueber die Phillippinen zu kaufen. Die haben dort recht viele Lonely Planets, aber leider keinen von den Phillippinen. Von Deutschland gibts viele, mit unserem John Rabe haben wir wohl echt ein Stein im Brett bei den Chinesen. Wieder daheim bin ich mal wieder zum Yoga gegangen, muss ja auch mal sein. Abends waren wir auf einer Abschiedsparty eingeladen. Ein spanischer Kollege von Berti geht nun wieder zurueck nach Spanien, und so hiess es mal wieder Abschied nehmen. Zu spanischer Zeit, also 21:30 Uhr. Wir kennen uns ja mit den Gepflogenheiten aus und sind natuerlich erst um 22:30 Uhr dort aufgeschlagen. Mitgebracht haben wir eine schoene Flasche Bai jiu, also chinesischen Schnaps, dazu allerlei Leckereien aus dem chinesischen Supermarkt: Huehnerfuesse, schwarze Eier, Wurst, Tofuschnitten etc. Da hat sich unser Spanier aber gefreut!
Samstag vormittag haben wir uns dann auf den Weg nach Suzhou (苏州市) gemacht, denn dort fand mein Alumnitreffen statt. Suzhou ist das Venedig Chinas, Venedig ist natuerlich Partnerstadt, und man wundere sich, Konstanz auch! Suzhou liegt auf dem Weg nach Shanghai und ist bequem in gut anderthalb Stunden mit dem Schnellzug zu erreichen. Hier ein kleiner Ueberblick ueber die Geschichte Suzhous:
Suzhou ist mit über 2.500 Jahren Geschichte eine der ältesten Städte im Yangtse-Becken. Im Jahr 514 v. Chr., während der „Frühling-und-Herbst-Periode“, wurde Suzhou durch den legendären König Helu von Wu gegründet. In der Geschichte Chinas war Suzhou immer ein Zentrum von Handwerk und Handel. Mit Fertigstellung des Kaiserkanals als Handelsweg in Richtung Norden nahm Suzhou einen besonderen Aufschwung. Marco Polo hat die Stadt im Jahr 1276 besucht und als großartig empfunden. Bekannt auch als die „Seidenhauptstadt“ des damaligen Kaiserreich Chinas ist Suzhou seit dem 14. Jahrhundert bis heute führend in der Seidenproduktion. Abgesehen von kurzen Phasen der Besatzung durch die Japaner während des Zweiten Weltkrieges und durch die Armee des Taiping-Reichs im 19. Jh. wurde Suzhou in den Wirren des 19. und 20. Jahrhunderts nicht in Mitleidenschaft gezogen. Viele historische Anlagen sind daher original erhalten. Seit 1981 wurde Suzhou (zusammen mit Peking, Hangzhou und Guilin) in die Liste der Städte aufgenommen, deren historisches und kulturelles Erbe unter besonderen Schutz gestellt werden sollte. Seit 1997 sind einige der Parks in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Abgesehen von den Parks verschwinden aber viele altertümliche Häuser, Kanäle und Brücken mit großer Geschwindigkeit, um der Moderne Platz zu machen.
Wir haben uns natuerlich gleich aufgemacht, die Parks des UNESCO-Weltkulturerbes zu besichtigen. Da in unserem Reisefuehrer vor den grossen Touristenscharen in den grossen Parks gewarnt wurde (der Autor muss hier wirklich ein paar traumatische Erlebnisse gehabt haben), haben wir uns lieber die kleinen Parks angeschaut. Parks sind hier keine Gruenanlagen, sondern Kompositionen aus Steinen, Teichen, Wandelwegen mit Pavillions, Baeumen und Huegeln (und leider auch Muecken). Sie sollen dazu inspirieren, mit einem Glas Wein zu dichten und zu diskutieren. Das Dichten haben wir auf spaeter verschoben und haben lieber diskutiert, allerdings ohne den Wein. Das war bei 34 Grad im Schatten wohl auch besser so.

Der Garten zur azurblauen Welle
Mal originelle Tueroffnungen!
Wie da wohl die Tuer zu aussieht?

Nach dem "Garten der azurblauen Welle" gings weiter per Fahrradrikscha, zu dritt, das war vielleicht eng! Dafuer sind wir die kleinsten Wege durch die Parkanlagen entlanggefahren...




Und zwar gings zum suedlichen Stadttor Pan Men, dem aeltesten (2.500 Jahre alt) noch erhaltenen Stadttour Suzhous. Hier konnte man per Boot oder auf dem Landweg in die Stadt gelangen, das Tor ist mit Schleusen und Kanonen ausgestattet.

Drum herum ist ein schoener Park gestaltet, mit Templen, Teichen und einer grossen Pagode, die wir natuerlich sofort bestiegen haben. Bei tollem Wetter hatten wir wirklich eine klasse Sicht ueber die Stadt.





Das Abendessen mit den 60 Studenten und deren Professoren/Betreuern hatte meine liebe Kollegin organisiert, und es war wirklich ganz toll. Das Restaurant war an einem ganz lebhaften Kanal, der mit lauter roten Lampions geschmueckt war gelegen. Das Essen war auch ganz gut, zum Abschluss hat der Lehrstuhl noch ein bisschen Bai jiu ausgegeben. Die Studenten wurden nach Shanghai zurueckgeschickt und wir Alumnis haben gemuetlich am Kanal noch das ein oder andere Bier getrunken. Sehr gemuetlich! Ueber uns segelten Heissluftballons hinweg, neben uns plaetscherte das Wasser (ok, es hat manchmal nicht so gut gerochen...) und wir hatten sogar einen richtig klaren Sternenhimmel!


Sonntag morgen gab es erstmal lecker Jiaozi, also Maultaschen zum Fruehstueck. Anschliessend haben wir die Beisi Ta, die noerdliche Pagode angeschaut. Als wir erfuhren, dass dies die hoechste Pagode suedlich des Yangtse ist, haben wir sie natuerlich sofort bestiegen!



Weiter gings zu den Doppelpagoden Shuang Ta, die ganz nett waren, aber der kleine Tempel auf dem Weg dorthin war eigentlich viel schoener.

Mit vielen Pausen und reichlich Wasser haben wir so den Vormittag beschlossen, denn es hatte schon wieder 35 Grad im Schatten. Wir mussten uns dann auch schon auf den Rueckweg machen, denn zum einen hatten wir am Nachmittag noch die ViaNinos Hauptversammlung, zum anderen waren wir am Abend ja noch auf einer spanisch/chinesischen Hochzeit eingeladen!

Die ViaNinos-Hauptversammlung (Tagungsort dieses Mal London) ist gut verlaufen, der Vorstand wurde entlastet, die Kasse geprueft, sehr schoen.

Wie die Hochzeit war (er, Spanier, 56 Jahre alt und sie, Chinesin, 30 Jahre alt) erfahrt ihr im naechsten Blog!

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