Von Freitag bis Sonntag letzter Woche war ich auf unserem grossartigen Company Outing oder Betriebsausflug. Sowas wird in chinesischen Firmen standardmaessig jedes Jahr oder alle zwei Jahre abgehalten. Bisher hat meine Firma das immer nur alle 2 Jahre abgehalten, denn dann hat ja jeder Mitarbeiter das doppelte Budget und es kann weiter verreist werden. Nun wurde jedoch beschlossen, wieder jedes Jahr auf Outing zu gehen. wobei kurz ueberlegt wurde, ob wir das diesjaehrige aufgrund der Wirtschaftslage auf naechstes Jahr verschieben sollen, aber das wurde dann doch wieder verworfen. Da man schlecht mit 600 Leuten gemeinsam einen auf Betriebsausflug gehen kann, wurden vorher intranetbasiert allerhand Abstimmungen zwecks Reiseziel durchgefuehrt und letztlich wurden 4 Reiseziele angeboten: Xi'an (Terrakottaarmee), Qingdao (ehemalige dt. Kolonie wo das gute Bier herkommt), Wuyi Mountain (ein schoenes Gebirge, aber Anreise 17 Stunden per Zug) und Putuoshan mit 2 weiteren Orten (eine Insel mit vielen buddhistischen Kloestern, Anreise 6 Stunden per Bus). Jeder kann sich nun ein Reiseziel und das passende Datum aussuchen, manche Reiseziele werden an mehreren Wochenenden angeboten. Die Reisen gehen 3-4 Tage, Wochenende eingeschlossen, die Arbeitstage werden durch Ueberstunden ausgeglichen. Der Betriebsrat und die Firma stellen gemeinsam ca. 120 EUR pro Person zur Verfuegung, der Rest muss von den Mitarbeitern selbst getragen werden. Die Mitarbeiter koennen auch ihre Ehepartner, Kind und Eltern mitnehmen, fuer die muss natuerlich voll bezahlt werden. Generell finden diese Betriebsausfluege regen Anklang, denn so oft verreisen die Chinesen mit ihrem Jahresurlaub von 7-10 Tagen nicht. Das praktische an Reisen mit Chinesen ist, dass sie kaum Gepaeck dabei haben. Also kein ewiges Koffer ein- und Koffer ausladen, sondern je eine Familie hat eine kleine Reisetasche dabei. Ich in weiser Voraussicht auch nur einen kleinen Rucksack. Die meisten hatten auch nur ein paar Schuhe dabei, wobei einige wohl qualitativ nicht sehr hochwertig waren und schon am zweiten Tag auseinanderfielen...
Ich hatte mich aufgrund der kuerzesten Reisezeit und des besten Termins mit meiner Kollegin fuer den Ausflug auf die Insel Putuo Shan entschieden. Freitag frueh gings also los, und zwar mussten wir schon um 6 Uhr am Treffpunkt sein! Und das, wo wir am Vorabend lecker zum Essen eingeladen waren und erst um 1 Uhr im Bett waren... Wir waren ca. 40 Leute, keiner vom Top Management, was bestimmt ganz gut war. Ach ja, ich war natuerlich die einzige Auslaenderin. Ich hab mich auch gleich mit dem Busfahrer angefreundet, er hat sich naemlich so gefreut, erstens eine Auslaenderin an Board zu haben und zweitens eine, mit der er sich auch noch ein bisschen unterhalten kann! Als ich ihn dann noch um ein Foto mit mir gebeten habe, war er restlos gluecklich:
Ich hatte mich aufgrund der kuerzesten Reisezeit und des besten Termins mit meiner Kollegin fuer den Ausflug auf die Insel Putuo Shan entschieden. Freitag frueh gings also los, und zwar mussten wir schon um 6 Uhr am Treffpunkt sein! Und das, wo wir am Vorabend lecker zum Essen eingeladen waren und erst um 1 Uhr im Bett waren... Wir waren ca. 40 Leute, keiner vom Top Management, was bestimmt ganz gut war. Ach ja, ich war natuerlich die einzige Auslaenderin. Ich hab mich auch gleich mit dem Busfahrer angefreundet, er hat sich naemlich so gefreut, erstens eine Auslaenderin an Board zu haben und zweitens eine, mit der er sich auch noch ein bisschen unterhalten kann! Als ich ihn dann noch um ein Foto mit mir gebeten habe, war er restlos gluecklich:
Dann hiess es erstmal Busfahren bis wir zum Mittagessen in Shaoxing ankamen. Hier lebte ein Dichter, der waehrend des Buergerkrieges in den 1930er Jahren viel geschrieben hat. Man kann sich sein Haus, sein Elternhaus, seine Schule etc. anschauen. Es sind schoene alte Haeuser aus der Qing Dynastie. Es gibt noch einen sehr schoenen Garten in Shaoxing, der war zwar nicht im Reisepreis inbegriffen, meine Kollegin und ich haben ihn trotzdem angeschaut.

Dann gings weiter per Bus und Faehre auf eine erste Insel, wo wir zu Abend gegessen haben und im Sheraton Hotel uebernachten durften! Da wir schon um 19 Uhr im Hotel waren, konnten wir noch in Ruhe schwimmen gehen, was echt schoen war. Alle im Badeanzug, nur ich in Bikini mit Bauch. Dafuer war ich auch mal wieder die einzige Auslaenderin im Bad. Nachdem wir die Muecke in unserem Zimmer erlegt hatten, haben meine Kollegin und ich auch gut geschlafen, denn, wie bei den Geschaeftsreisen, werden auch hier selbstverstaendlich die Zimmer geteilt.
Am Samstag Morgen war um 6:50 Uhr Wecken angesagt, um 8 Uhr gings los, und es waren wirklich alle puenktlich im Bus. Per Faehre nach Putuoshan, wo wir um kurz vor 10 Uhr eintrafen. Wir waren nicht die einzige Gruppe auf der Insel! Da es sehr viele buddhistische Kloester auf der Insel gibt, mussten sich alle erstmal mit Raeucherstaebchen eindecken. Meine Kollegin erzaehlte mir dann, wenn nun ihr Wunsch in Erfuellung geht, muss sie wieder herkommen und zum Dank wieder Raeucherstaebchen bei dem Tempel verbrennen, der den Wunsch erfuellt hat. Ich habe ihr dann gesagt, dass das ja schwierig herauszufinden ist, wenn sie in allen Tempeln um das gleiche bittet. Da musste sie aber selber grinsen und meinte, sie koenne ja dann nochmal ueberall Raeucherstaebchen entzuenden. Praktisch veranlagt ist sie ja schon.
Wir sind dann den westlichen Pilgerweg entlanggewandelt, treppauf und treppab die Berge rauf und runter und haben unterwegs in saemtlichen Kloestern gebetet. Also meine Kollegin auf jeden Fall (dafuer, dass sie naechstes Jahr um diese Zeit bereits verheiratet ist), waehrend ich mir die Kloester angeschaut habe. Nach einem kurzen Mittagessen gings weiter zum groessten Kloster der Insel, hier durfte jeder Besucher bloss 9 Raeucherstaebchen mit reinnehmen, sonst wuerde man wahrscheinlich vor lauter Rauch gar nichts mehr sehen. Anschliessend gings zu einem 30 Meter hohen stehenden Buddha und abschliessend zu einem Kloster direkt am Meer. Sehr reizvoll.
Um 17 Uhr sassen wir dann nach Faehrueberfahrt alle ziemlich erledigt wieder im Bus. Wir waren froh, dass es am Vormittag viel genieselt hatte und auch sonst bewoelkt war, denn bei 36 Grad und Sonne moechte ich so eine Tour nicht machen. Nun war shoppen angesagt! 20 Minuten Zeit war fuer einen Supermarktbesuch angesetzt, denn Sonntag abend wuerde es kein Abendessen geben, wir wuerde auf der Rueckfahrt nach Nanjing sein. Anschliessend Abendessen und Faehrrueckfahrt aufs Festland, dann noch Weiterfahrt nach Ningbo, so dass wir um 22 Uhr ziemlich erledigt (ich zumindest) im Hotel ankamen. Da bin ich auch gleich ins Bett gefallen, waehrend meine Kollegin sich noch den oertlichen Nachtmarkt angeschaut hat. Der sei aber so wie in Nanjing der Konfuziustempel, nur kleiner, ich haette nichts verpasst
Sonntag hiess es dann schon um 6:30 Uhr aufstehen, wir wollten ja nichts verpassen! Leider schuettete es und so wurde kurzerhand das Nachmittagsprogramm mit dem Vormittagsprogramm getauscht und wir haben uns die diversen Haesuer von Chiang Kai-shek und seiner Familie angeschaut. Chiang Kai-shek war der Fuehrer der Kuomintag (Nationalisten), die dann 1949 gegen Mao und die Kommunisten den Buergerkrieg verloren haben und nach Taiwan gefluechtet sind, wo sie die Republik China mit Anspruch auf Festland-China gegruendet haben, waehrend Mao die Volksrepublik China (mit Taiwan als abtruennige Provinz) ausgerufen hat. Wir konnten sein Elternhaus, sein Geburtshaus und den Salzladen seiner Grosseltern besichtigen. Nach dem Mittagessen ging es dann zu einem schoenen Haus in den Bergen, von dem aus Chiang Kai-shek wohl oefter seine Regierungsgeschaefte erledigt hat. Ein 186m hoher Wasserfall rauscht in der Naehe, wirklich ein nettes Oertchen. Zum Abschluss haben wir noch das Grab seiner Mutter besucht, auch am Berg gelegen, wobei ich nicht ganz verstanden habe, warum wir uns das nun anschauen. Die Dame war nur als seine Mutter beruehmt, aber nicht weil sie selbst etwas vollbracht haette (ausser Chiang Kai-shek grossgezogen zu haben)! Aber er hat sie wohl sehr geliebt, und so haben wir auch ihre letzte Ruhestaette besucht. Nun machten wir uns auf den Rueckweg, aber unser Reisefuehrer hatte noch eine Ueberraschung fuer uns parat: wir sind naemlich ueber die angeblich laengste Bruecke der Welt gefahren! Die geht naemlich von Ningbo 35,6 km lang in Richtung Hangzhou, man spart sich da das Umfahren der ganzen Bucht. Aber ich hab grad nachgeschaut, Wikipedia sagt es ist nur die drittlaengste Bruecke. Wie auch immer, sie ist ganz schoen lang. Man kann sie nur so schlecht fotografieren, wenn man grad drueberfaehrt, und so hat meine Kollegin halt das Wasser rechts und links fotografiert...
Um 21 Uhr war ich dann wieder daheim, und Montag musste ich schon wieder arbeiten, keine Zeit zum ausruhen! Aber meine Arbeitswochen sind ja bekanntlich nicht so lange, da kann man sowas schon mal machen. Die naechsten beiden Wochen werde ich in Dalian auf einem Audit sein, das heisst zum einen 5 Tage die Woche arbeiten und zum anderen wahrscheinlich keine Blogeintraege, da ich ueber meinen Arbeitsrechner ja nicht auf meinen Blog komme, die Seite ist wieder gesperrt.

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